ANTI-AGING ODER INFLAMMAGING? Peelings richtig anwenden und warum professionelle Beratung wichtig ist.
- Natalia Janke
- 11. Nov. 2024
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Nov. 2024
Warum abgestorbene Hautzellen nicht nur kosmetisch, sondern auch gesundheitlich eine Rolle spielen.

Die Haut erneuert sich regelmäßig (bei intakter Haut idealerweise alle 28 Tage), wobei alte Hautzellen abgestoßen werden und auf der Hautoberfläche verbleiben. Man kann sich das so vorstellen, dass sich auf der Haut überall mikroskopisch kleine Hautschüppchen ansammeln. Das kann nicht nur einen fahlen, unebenen Teint verursachen oder die Poren verstopfen, sondern auch zu einer Dysbiose des Hautmikrobioms führen, was wiederum Entzündungen und das Risiko für Hautkrankheiten erhöhen kann.
Das Hautmikrobiom besteht aus verschiedenen Mikroorganismen, die in einer gesunden Balance die Hautbarriere schützen und die Immunabwehr unterstützen. Wenn abgestorbene Hautzellen (Korneozyten) nicht regelmäßig entfernt werden, können sie als „Nährboden“ dienen, da sie Proteine, Lipide und andere Substanzen enthalten, die bestimmten Bakterien und Pilzen als Nahrungsquelle dienen. Dies kann zu einer Überbesiedelung bestimmter Mikroorganismen wie Propionibacterium acnes (heute Cutibacterium acnes genannt) führen, die entzündliche Hautreaktionen fördern können. Studien zeigen, dass abgestorbene Hautschuppen das Hautmikrobiom stören und zu Entzündungen beitragen können. Dies ist besonders bei Menschen mit bestehenden Hautproblemen wie Akne oder Ekzemen relevant. Eine sanfte Hautpflege und regelmäßige, schonende Exfoliation können dazu beitragen, die Hautbarriere und das Mikrobiom im Gleichgewicht zu halten.
Warum Peeling nicht gleich Peeling ist
Ein Gesichtspeeling ist ein Verfahren, das in der Medizin und Kosmetik angewandt wird, um Zellschichten der Hornschicht zu entfernen. Dies hilft, die Hautstruktur zu verbessern, die Poren zu reinigen und die Aufnahme von Pflegewirkstoffen zu erhöhen. Es gibt verschiedene Arten von Gesichtspeelings, darunter mechanische, enzymatische und chemische Peelings, die sich in ihrer Wirkung und Anwendung unterscheiden. Hier habe ich einen Überblick über verschiedene Peeling-Arten für euch zusammengefasst (Für mehr Infos zu den jeweiligen Peelings und für wen sie geeignet sind: bitte aufklappen).
ENZYMATISCHE PEELINGS
enthalten Enzyme, meist aus Früchten wie Papaya (Papain) oder Ananas (Bromelain), die gezielt die Proteinbindungen zwischen abgestorbenen Hautzellen lösen und diese sanft von der Hautoberfläche ablösen. Sie sind besonders schonend und daher ideal für empfindliche und trockene Haut, da sie lebende Hautzellen kaum reizen. Auch normale Haut profitiert von der milden Wirkung enzymatischer Peelings, die die Haut nicht überreizen. Sie sind außerdem sicher und gut für die Heimpflege Routine geeignet.
AHAs vs. BHAs – die Unterschiede und Vorteile für eine gesunde Haut.
Fruchtsäure-Peelings enthalten Alpha-Hydroxy-Säuren (AHAs), die aus natürlichen Quellen wie Obst, Milch oder Zuckerrohr gewonnen werden. Die bekanntesten AHAs sind Glykolsäure (aus Zuckerrohr) und Milchsäure (aus Milchprodukten oder fermentiertem Zucker).
Fruchtsäure-Peelings eignen sich besonders gut für trockene und reife Haut, da sie glätten, Feuchtigkeit spenden und Pigmentflecken reduzieren können. Darüber hinaus fördern sie die Kollagenproduktion und tragen zu einem gleichmäßigeren Teint bei. Glykolsäure hat eine intensivere Peeling-Wirkung und ist daher besser für robustere Hauttypen geeignet, während mildere AHAs wie Mandelsäure bei empfindlicher Haut vorteilhaft sind.
AHAs wirken, indem sie die Bindungen zwischen abgestorbenen Hautzellen lösen und das sanfte Abschälen der Haut anregen. Sie dringen in die oberste Hautschicht ein und fördern die Zellregeneration, wobei sie vor allem auf der Hautoberfläche wirken.
Beta-Hydroxy-Säuren (BHAs) wie Salicylsäure hingegen dringen tiefer in die Haut ein und sind ideal für fettige Haut. Salicylsäure reinigt die Poren tief und hilft, überschüssiges Öl zu kontrollieren, was sie besonders geeignet für zu Akne neigende Haut macht.
Sowohl AHAs als auch BHAs sollten kontrolliert und an die individuellen Bedürfnisse der Haut angepasst verwendet werden.
CHEMISCHE PEELINGS - von der Oberfläche bis zur Tiefe
Chemische Peelings dringen je nach Konzentration unterschiedlich tief in die Haut ein und regen so die Kollagensynthese und Zellerneuerung an. Im Gegensatz zu enzymatischen Peelings, die oberflächlich wirken und nur abgestorbene Hautzellen lösen, sowie zu milden AHAs und BHAs, die die Haut glätten und Poren reinigen, gehen chemische Peelings gezielt tiefer. Je tiefer das Peeling in die Haut eindringt, desto effektiver, aber auch riskanter ist das Verfahren. Besonders bei Pigmentflecken, Falten, Akne und Narben sind die Erfolge von chemischen Peelings wissenschaftlich gut dokumentiert. Trichloressigsäure (TCA) wirkt je nach Konzentration sowohl auf die Epidermis als auch auf die obere Dermis. In niedrigen Konzentrationen (etwa 10–20 %) wirkt TCA hauptsächlich in der Epidermis und eignet sich für oberflächliche Peelings. Höhere Konzentrationen (etwa 30–35 %) dringen in die Papillarschicht der Dermis ein und werden als mitteltiefe Peelings eingestuft.
TCA wird häufig bei stark sichtbaren Hautproblemen eingesetzt, wie z. B. tieferen Falten, Aknenarben und hyperpigmentierten Flecken. Es ist eher für normale bis robuste Haut geeignet. Da TCA recht intensiv wirkt, ist es vor allem für Hauttypen geeignet, die eine stärkere Behandlung vertragen.
Auch bei reifer Haut kann TCA für Anti-Aging-Zwecke auf Grund seiner Kollagenanregung verwendet werden, jedoch mit vorsichtiger Anwendung und entsprechender Nachpflege.
TCA-Peelings sollten nur unter professioneller Anleitung angewendet werden. In der ästhetischen Dermatologie gelten sie als effektives Mittel zur Hautverjüngung und -erneuerung.Der Einfluss des glykämischen Index auf die Hautgesundheit
MECHANISCHE PEELINGS: Microdermabrasion & Co
Es gibt auch sogenannte mechanische Peelings, die viele Vorteile bieten, jedoch immer individuell auf den Hauttyp abgestimmt werden sollten.
Körnige Peelings enthalten feine Körnchen, die durch kreisende Bewegungen auf der Haut abgestorbene Hautschüppchen abtragen. Für die Gesichtshaut sind sie jedoch meist nicht ratsam, da sie mikroskopisch kleine Risse verursachen können, was die Hautbarriere schädigt und die Empfindlichkeit erhöht. Ähnliches gilt für Peelingbürsten: Sie sollten feine Borsten haben und sind eher für die Reinigung als für das Abtragen von Hautzellen gedacht. Hier ist wichtig zu beachten, dass sie bei sehr trockener Haut sowie bei Haut, die zu Couperose, Rosacea oder entzündlicher Akne neigt, vermieden werden sollten.
DERMAPLANING hingegen kann bei normaler oder großporiger Haut empfohlen werden. Dabei wird mit einer sterilen, feinen Klinge (ähnlich einem Skalpell) sanft über die Hautoberfläche gestrichen, um abgestorbene Hautzellen und feine Gesichtshaare (Pfirsichflaum) zu entfernen. Dermaplaning entfernt nur die oberste Schicht abgestorbener Hautzellen und dringt nicht tiefer in die Haut ein, was es zu einer guten Option für empfindliche Haut macht, die auf chemische Peelings reagiert. Nicht geeignet ist Dermaplaning für Akne und sehr stark behaarte Haut.
MIKRODERMABRASION ist ebenfalls eine wirksame, ablative Methode – hier ist besonders die Kristallvariante zu empfehlen. Da jedoch auch die Diamantabrasion leider mikroskopische Risse in der Haut verursachen kann, ist sie für empfindliche und dünne Haut weniger geeignet.
Obwohl ich persönlich die kontrollierte Exfolierung durch Enzyme und Säuren bevorzuge, können auch mechanische Peelings nützlich sein und viele Vorteile mit sich bringen und einen Wellbeing Effekt während des Treatments bieten.
Anti-Aging oder Inflammaging? Warum professionelle Beratung wichtig ist.
In den letzten Jahren erleben wir einen großen Trend, insbesondere bei Fruchtsäure-Peelings: AHAs und BHAs sind mittlerweile Begleiter in fast jeder Hautpflegeroutine. Zahlreiche Studien haben die Auswirkungen von Peelings auf die Hautbarriere untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass unsachgemäße oder zu häufige Anwendung die Hautbarriere

schädigen kann. Wird zu aggressiv oder zu häufig gepeelt, können auch gesunde, lebende Zellen entfernt werden, was die Hautbarriere schwächt und sie anfälliger für Reizungen macht.
Die Hautbarriere besitzt normalerweise einen leicht sauren pH-Wert (ca. 4,5 bis 5,5), der vor Mikroorganismen schützt. Chemische Peelings, vor allem solche mit stark sauren Inhaltsstoffen wie AHAs, können diesen pH-Wert beeinflussen. Eine zu starke Abweichung vom natürlichen pH-Wert kann die Hautbarriere schwächen und zu Trockenheit, Rötungen und Entzündungen führen.
Die Hautbarriere besteht aus Lipiden, die die Feuchtigkeit in der Haut bewahren. Bei zu häufigem Peelen werden diese Lipide entfernt, was die Haut austrocknet und zu einem erhöhten transepidermalen Wasserverlust (TEWL) führt – ein weiterer Faktor, der die Hautbarriere schwächt.
Aggressive kosmetische Behandlungen können chronische Hautentzündungen fördern und dadurch ein Phänomen namens „Inflammaging“ begünstigen – eine beschleunigte Hautalterung, die durch anhaltende Entzündungen hervorgerufen wird. Das ist der Grund warum, besonders chemische Peelings in die Hände von erfahrenen Expert:innen gehören.
Manchmal kann eine Kombination aus milderen chemischen Peelings (wie Milchsäure oder Mandelsäure) oder nicht-ablativen Verfahren (wie Microneedling) eine hautschonendere Anti-Aging-Lösung darstellen und ähnliche Ergebnisse erzielen, ohne die Hautbarriere so stark zu belasten.

Kann man starke Peelings als Anti-Aging Verfahren sehen?
Ja. Peelings aus professionellen Händen bringen langhaltende Resultate.
Um die Wirksamkeit von Peelings optimal zu nutzen sollten Peeling-Art, Anwendungshäufigkeit und Nachpflege individuell auf Hautzustand und Hauttyp abgestimmt sein. Eine gezielte Nachsorge und Hautpflege, die den Hautbarriere Aufbau unterstützt, ist besonders wichtig, um dem Alterungsprozessen entgegenzuwirken.
Die behandelten Hautpartien sind in den Tagen nach dem Peeling besonders empfindlich. Deshalb sollten direkte Sonneneinstrahlung und reizende Seifen vermieden werden. Vor allem nach tieferen Peelings bleibt die UV-Empfindlichkeit über mehrere Wochen erhöht. Ein konsequenter UV-Schutz mit Kleidung und/oder einem hohen Lichtschutzfaktor (mindestens LSF 50+) sowie das Meiden direkter Sonne sind in jedem Fall unerlässlich.
Peelings sind weit mehr als nur Hautbehandlungen zur Entfernung abgestorbener Zellen – sie reichen von oberflächlichen bis hin zu tiefen, intensiven Verfahren, die gezielt auf unterschiedliche Hautbedürfnisse eingehen. Für dauerhafte und nachhaltige Ergebnisse ist es entscheidend, sich in die Hände einer erfahrenen Fachspezialistin oder eines erfahrenen Fachspezialisten zu begeben, die/der nicht nur die passende Peeling-Art auswählt, sondern auch Häufigkeit und Intensität individuell auf Hauttyp und Bedürfnisse abstimmt.
Als Spezialistin bei HEALTHY ROUTINES in Wien kenne ich die komplexen Zusammenhänge von Hautstruktur, Hautbarriere und Regeneration und unterstütze Sie mit maßgeschneiderten Behandlungen, die eine gesunde, strahlende Haut langfristig fördern und Risiken minimieren.
Je intensiver das Peeling, desto entscheidender ist eine aufbauende, kollagenfördernde und schützende Heimpflege. Hier sind Inhaltsstoffe wie Lipide, Peptide und Ceramide das A und O. Nur so lassen sich Peelings wirksam in ein Longevity-Konzept der Hautpflege integrieren, um in Kombination mit aufbauenden Treatments und gezielter Nachpflege einen optimalen Anti-Aging-Effekt zu erzielen.
Ob chemische Peelings, TCA, Dermaplaning oder Fruchtsäure-Peelings – ich berate Sie gerne individuell zu den besten Optionen für Ihre Hautpflege.
Quellen:
1.„AHA plus”: Fruchtsäure (AHA) plus Microdermabrasio (MDA) zur Behandlung von Aknenarben, Falten, Hautunebenheiten, Aktuelle Dermatologie H. Uhlemann, 2005
2."Chemische Peelings in der Dermatologie“ in „ Der Hautarzt“ Wolfgang G. Philipp-Dormston, 2019
3.Trichloroacetic Acid Peeling for Treating Photoaging: A Systematic Review. Irma Bernadette S. Sitohang „Dermatology Research and Practice“ , 2021
4.HEMMEN DIE EXPRESSION, Boswelliasäuren des Weihrauchs. Beitrag der Hautpflege zum Inflammaging. dermaviduals.de



